Filmreihe:
„GEFANGEN IM KORSETT“
-Die Freiheit trägt Hosen-
Über Jahrhunderte hinweg war das Leben von Frauen durch klare gesellschaftliche Grenzen bestimmt. Berufliche Selbstverwirklichung, soziale Unabhängigkeit oder öffentliche Anerkennung war lange Zeit nahezu ausschließlich einer Hälfte der Gesellschaft vorbehalten.
Immer wieder gab es Filme, die diese Umstande thematisierten. Jedoch wurde der Geschlechtertausch oftmlas als etwas Pikantes und Frivoles dargestellt, anstatt sich über die Tiefe der Beweggründe der Protagonistinnen auseinanderzusetzen. Historisch gesehen gab es eine Vielzahl an Gründen in die Hose zu steigen: neben erleichtertem Zugang zu Arbeit, ging es auch um die Hoffnung Missbrauch oder Zwangsheirat zu entgehen oder eine sexuelle Identität abseits der damals gesellschaftlichen Norm zu leben.
In unserer Filmreihe „GEFANGEN IM KORSETT“ sind es Geschichten von Frauen, die Männerrollen annehmen – nicht aus Spiel oder Provokation, sondern aus Notwendigkeit. Sie verkleiden sich, wechseln Namen und Identitäten, um arbeiten zu dürfen, studieren zu können, sich zu schützen, unabhängig zu sein oder schlicht um zu überleben.
Der neueste Film, der sich in diese Sparte eingliedert ist der „BERLINALE-Beste Hauptdarstellerin“ -Gewinner „ROSE“, den wir zum Anlass nehmen, diesen starken Frauen eine filmische Reihe zu widmen.
Der männliche Körper wird dabei zur Eintrittskarte in eine Welt der Möglichkeiten, die ihnen als Frauen verwehrt blieb
BOYS DON´T CRY
USA 1999, 114 Min
Regie: Kimberly Peirce
Mit Hilary Swank, Peter Sarsgaard, Chloë Sevigny
Nebraska Anfang der 90er Jahre: Die junge Teena Brandon kommt in ein verschlafenes Nest am Ende der Welt, und lebt mit abgeschnittenen Haaren und Polster im Schritt das Leben eines jungen Mannes. – Ein fataler Fehler.
Mo 04.05. um 16.30 Uhr, Mi 06.05. um 19.30 Uhr
ROSE
Österreich, Deutschland, 2026
Regie: Markus Schleinzer
Mit Sandra Hüller, Robert Gwisdek, Godehard Giese
Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) taucht ein mysteriöser Soldat in einem abgelegenen protestantischen Dorf auf. Er behauptet, der rechtmäßige Erbe eines verlassenen Gutshofs zu sein. Den Fremden umgibt ein Geheimnis – tatsächlich ist „er“ eine Frau namens Rose, die eine falsche Identität und Geschlecht angenommen hat, um ihr Glück zu finden…
„Wie diese ROSE sich aufbäumt…und doch an ihrer Falschheit zugrunde geht, ist ein seltenes, tief berührendes Kinoereignis. Sandra Hüller ist grandios“ ARD
Berlinale 2026: Sandra Hüller ausgezeichnet als Beste Darstellerin
Mitte Mai: Vorstellungen laut Wochenprogramm
YENTL
USA, 1983, 133 Minuten
Regie: Barbra Streisand,
Mit Barbra Streisand, Mandy Patinkin, Amy Irving uva.
Im osteuropäischen Judentum des frühen 20. Jahrhunderts verkleidet sich eine junge Frau als Mann, um studieren zu dürfen. Barbra Streisands Film, inTschechien gedreht, verbindet Melodram und die fantastische Musik von Michel Legrand zu einem eindringlichen Porträt über Bildung als Privileg für Männer. Ein berührender Film über die Sehnsucht nach Wissen.
Anfang der 80er Jahre einzigartig: Eine Frau als Produzentin, Regisseurin und Hauptdarstellerin. Ein Triumpf für Multitalent Barbra Streisand, die dafür 2 x den GOLDEN GLOBE erhielt: Beste Regie, Bester Film
Pfingstmontag, 25.05. um 16.30 Uhr, Mi 27.05. um 19.30 Uhr
ALBERT NOBBS
Regie: Rodrigo García
UK, Irland, 2011, 113 Minuten
Mit Glenn Close, Mia Wasikowska, Janet McTeer, Pauline Collins („Shirley
Valentine“) uva.
Im Irland des 19. Jahrhunderts lebt eine Frau jahrzehntelang als Butler, um arbeiten und überleben zu können. Still, präzise und zutiefst berührend erzählt der Film von ökonomischer Abhängigkeit und gesellschaftlicher Unsichtbarkeit.
Glenn Close verkörpert eine Existenz, in der Identität zur reinen Überlebensstrategie wird und wurde mit einer Oscar-, und einer Golden Globe-Nominierung belohnt.
So 07.06. um 16.30 Uhr, Mi 10.06. um 19.30 Uhr
DIE PÄPSTIN
2009, BRD, Italien, Spanien, 148 Minuten
Regie: Sönke Wortmann
Mit Johanna Wokalek, David Wenham, John Goodman, Jördis Triebel,
Alexander Held
Der Legende nach soll im 9. Jahrhundert das höchste Amt der Kirche von einer als Mann verkleideten Frau übernommen worden sein. Ob das stimmt, ist bis heute umstritten. Weder über den Zeitraum noch über das Ereignis an sich herrscht Einigkeit. Ob nun wahr oder fiktiv, was hier gezeigt wird, ist alles andere als ein langweiliger Historienschinken. Es ist der grandiose Triumph einer Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft.
Ein Kampf, den sie in 148 Minuten bravourös meistert und der jede Minute ohne Längen sehenswert ist.
Di 16.06. um 19.30 Uhr, So 21.06. um 19.00 Uhr
ORLANDO
1992, GB, Frankreich, Italien, Niederlande, 94 min
Regie: Sally Potter
Mit Tilda Swinton, Quentin Crisp, Jimmy Somerville.
Eine poetische Reise durch Zeit, Körper und Identität. Sally Potters Verfilmung von Virginia Woolfs Roman erzählt von einer Figur, die über Jahrhunderte lebt und dabei ihr Geschlecht wechselt. Mit leiser Ironie und visueller Eleganz macht der Film sichtbar, wie radikal sich Macht, Freiheit und gesellschaftliche Stellung mit dem Geschlecht verändern.
Lexikon des internationalen Films: „Eine mit ästhetischen Bildkompositionen und großer Schauspielkunst gestaltete Romanverfilmung“.
Mo 22.06. um 16.45 Uhr, Mi 24.06. um 19.30 Uhr